Innerhalb der 15 Leader Kommunen der Kreise Aachen, Düren und Euskirchen finden sich zahlreiche Streuobstwiesen, die traditionell das Erscheinungsbild der Dörfer prägen und schmücken. Die Freude an alten Kulturlandschaften spiegelt sich in zahlreich besuchten Obstbaumblütenwanderungen und Obstwiesenfesten wieder. Auch der Informationsbedarf an dem Thema Streuobst nimmt rapide zu. Leider sind die meisten Streuobstwiesen nicht mehr in allerbestem Zustand und oft überaltert. Die schöne Obstwiese der Geschwister Stolz ist da eine Ausnahme und bildete die ideale Kulisse für die Auftaktveranstaltung des von der EU und den Kreisen Aachen, Düren und Euskirchen finanzierten Leader Projektes „Kompetenznetzwerk Streuobstwiesen“, welches sich aktiv dem Erhalt und der Ausweitung von Streuobstwiesen widmet.
Schon seit Jahren sind Anni und Margret Stolz Mitglieder der Fördergemeinschaft naturnaher Obstwiesen und -weiden (Föno), führen regelmäßige Baumpflege durch und lassen ihre Äpfel zu Saft verarbeiten, von dessen Erlös ein Teil der Baumpflege bezahlt wird. Margret Stolz: „Innerhalb unserer Wiese gibt es einige alte Apfel- und Birnensorten, die heute kaum noch bekannt sind. Saft und Kompott aus unseren Obstbäumen ist daher einzigartig“.
Rund 100.000 Euro Förderung aus dem EU-LEADER Schwerpunkt fließen nun in das Projekt „Kompetenznetzwerk Streuobstwiesen“. Über den vorliegenden Bewilligungsbescheid freuen sich vor allem die Biologischen Stationen in den Kreisen Aachen, Düren und Euskirchen, die das Projekt fachlich unterstützen. Die Lokale Aktionsgruppe (LAG) der LEADER-Region hatte die Initiative für die Förderung ausgewählt. Dass es sich um ein gemeinschaftliches Projekt in den Kreisen Düren, Aachen und Euskirchen unter Beteiligung der Kommunen und privater Partner handelt, betonten der LAG-Vorsitzende Hubert Breuer (Bürgermeister Gemeinde Simmerath) und LAG-Manager Alexander Sobotta.
Michael Schulze, Projektmanager bei der Biostation Euskirchen und verantwortlich für das Gesamtprojekt: „Es ist ein Glücksfall, dass wir die Baumschulmeisterin Ursula Gerke einstellen konnten. Hiermit haben wir für das Projekt eine sehr engagierte Fachfrau gefunden, mit Praxiserfahrungen aus ihren früheren Tätigkeiten in Baumschulen und im Obstbau und hervorragenden theoretischen Kenntnissen von Obstbaumsorten und Pflege sowie Beurteilung von Streuobstwiesen. Frau Gerke veröffentlicht regelmäßig in Landwirtschaftlichen Fachzeitschriften Fachbeiträge und Gartentipps und hat schon in der Vergangenheit Seminare zu Obstbaumschnitt und –veredelung für die Biologische Station durchgeführt.“
Mit verschiedenen Maßnahmen wird ein kreisübergreifendes Aktionsbündnis zum Thema Streuobst geschaffen. Bestehende Initiativen aus dem Bereich Obstbaumpflege, Vermarktung, Obstproduktion und Naturschutz werden vernetzt.
Bis in die 1940iger Jahre gab es in der Eifel so genannte Baumwarte. Diese ehrenamtlich Aktiven waren vor Ort in den Gemarkungen und Dörfern Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Obstwiesen. Sie standen aber nicht nur mit Rat und Kenntnissen zur Verfügung, sondern haben auch im Auftrag der Landnutzer aktiv deren Bäume gepflegt. Diese Tradition soll wieder belebt werden. Über die Laufzeit des Projektes von 3 Jahren wird ein Kompetenznetzwerk von Ansprechpartnern entstehen. Langfristig steht so eine wachsende Zahl von Obstbaumwarten vor Ort für Fragen rund um das Thema Streuobst.
Egbert Wilhelm von der Unteren Landschaftsbehörde Düren: „Die Ziele des Projektes sind für einen Einzelnen nicht zu erreichen. Wir brauchen daher in jedem Dorf engagierte Ansprechpartner für Streuobstwiesenbesitzer und –interessierte, die über die Pflege, Nutzung und Planung von Obstwiesen vor Ort beraten, informieren oder diese weitervermitteln an Spezialisten.“
Die Gruppe der fachkundigen „Spezialisten“ wird durch die von Frau Gerke innerhalb der nächsten 3 Jahre durchgeführten verschiedenen Lehrgängen und Seminaren aufgebaut. Durch die erfolgreiche Teilnahme an allen Lehrgangsinhalten werden die Teilnehmer zu „Obstbaumwarten“ ausgebildet. Diese können dann ihre Tätigkeit sowohl beratend als auch praktisch ausführen und als Dienstleistung anbieten z.B. bei Sortenwahl, Anlage- und Planung einer Obstwiese, Pflege von Alt- und Jungbäumen usw. Die Qualifikation zum Obstbaumwart, ermöglicht daher auch neue berufliche Perspektiven.
Die Lehrgänge werden ab Anfang 2010 als mehrtägige Seminare zum Obstbaumwart durchgeführt. Darüberhinaus ist jeder engagierte Streuobstliebhaber willkommen, der als ehrenamtlicher Ansprechpartner in den Dörfern der Leader Kommunen die Arbeit der künftigen Obstbaumwarte unterstützen möchte. Die Lehrgangsinhalte umfassen neben fachlichen Kenntnissen wie Sortenwahl, Pflege und Planungen auch naturschutzfachliche und -rechtliche Kenntnisse und werden in einem gesonderten Flyer für Interessierte beschrieben.
Im neu geschaffenen Netz von Obstbaumwarten, werden sich kompetente Ansprechpartner vor Ort für Eigentümer und Bewirtschafter von Streuobstwiesen finden
Termine
Aktuelles
Kontakt
Geschäftsstelle der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Eifel beim Naturpark Nordeifel e.V.
Steinfelder Str. 8
53947 Nettersheim
Tel. 02486 / 911122
Fax 02486 / 911116